In den Konzertsälen der Region zu Hause

Wer sein Fach verstehen will, muss alles geben und von den Besten lernen. Mein Leben war immer Musik. Anspruchsvolle Musik. Klassische Musik. Vor allem Klaviermusik, aber auch Jazz. Und da ich Pianistin bin, habe ich natürlich die besten Pianisten der Welt gesehen, gehört und erlebt. Hamburg ist dafür einer der besten Orte der Welt. Mit der Laeiszhalle und der Elbphilharmonie hat die Stadt zwei hochklassige Konzertsäle zu bieten, die ich immer wieder gerne besuche.

November 2024

Im November 2024 waren gleich zwei Pianisten von Weltniveau in der Hansestadt zu Gast: der 27-jährige Alexander Kantorow und der 66-jährige Ivo Pogorelich. Sie verkörpern gewissermaßen zwei Generationen der besten Pianisten, die die Welt zu bieten hat. Und beide waren auf ihre eigene Art ein akustisches Erlebnis der ganz besonderen Art. Ich habe beide Konzerte sehr genossen und bin danach total begeistert nach Lübeck zurückgekehrt.

Dabei haben sich beide Pianisten nicht nur auf die berühmten Stücke aus dem Barock und der Moderne konzentriert. Man konnte auch neuartige musikalische Interpretationen erleben, die auch für mich ein einmaliges Erlebnis waren. Denn Musik ist immer in Bewegung und das Klarvier gilt nicht ohne Grund als die Königsdisziplin unter den Instrumenten.

April 2025

Grigory Sokolov

Die großen Pianisten wenden sich zunehmend von der Elbphilharmonie ab. Ich kann verstehen, warum. Die gute alte Laeiszhalle bietet für ein Soloinstrument wie das Klavier eindeutig die besseren akustischen Voraussetzungen. Für Soloinstrumente, Kammermusik und Sänger ist die Elbphilharmonie einfach zu groß und ihre Akustik alles andere als optimal.

Ein typisches Beispiel ist Weltklasse-Pianist Grigory Sokolov. Er gastierte am 7. April 2025 in der Laeiszhalle und ich musste natürlich dabei sein. Der einmalige Charakter live gespielter Klaviermusik ist einfach durch nichts zu ersetzen. Seine geradezu poetischen Interpretationen waren auch dieses Mal ein Hörerlebnis ganz der besonderen Art. Sokolov hat mit weltberühmten Orchestern gespielt, bevor er sich entschloss, nur noch Solo-Klavierkonzerte zu spielen.

Sein diesjähriges Konzert stelle zwei Komponisten in den Vordergrund: Johannes Brahms (1833 – 1897) und William Byrd (1543 – 1623). Er spielte vier Balladen op. 10 und zwei Rhapsodien op. 79 von Brahms. Beides Musikstücke, die ich selbst schon wiederholt gespielt habe. Besonders interessant waren jedoch 9 Stücke des britischen Komponisten William Byrd (1543 – 1623), der mir weniger vertraut war. Seine Variationen und Fantasien zeichnen sich durch eine ausgeprägte Expressivität und auch Exzentrik aus. Nach dem Komponisten Thomas Morley, sind Byrds Stücke komponiert, „wie es sonst kein Mensch getan hätte“. Sokolov hat mit Byrd einen Ausnahmekomponisten seiner Zeit zu neuem Leben erweckt und damit sein Repertoire um einen zusätzlichen Aspekt bereichert.

Juni 2025

Martha Argerich

Das herausragende Musikereignis im Hamburger Musikfrühling war das Martha Argerich Festival 2025 in der Hamburger Laeiezhalle. Die argentinische Pianistin hat hier eine ganze Reihe von Musikern um sich versammelt, die neue Impulse in der Musikszene in den kommenden Jahren setzen werden und schon gesetzt haben. Ich hatte das Vergnügen, mehrere Konzertabende zu erleben, die mir noch lange in Erinnerung bleiben werden.

Besonders vielseitig war das Konzert am 28.06.2025, das ein breites musikalisches Spektrum abdeckte. Zum Auftakt spielte der junge lettische Pianist Georgijs Osokins ein Werk des Komponisten Arvo Pärt mit dem Titel „Für Aline“.

Danach wurden zwei Konzertflügel auf die Bühne geschoben und Martha Argerich spielte zusammen mit der japanischen Nachwuchspianistin Akan Sakai ein Arrangement für zwei Klaviere von Igor Strawinskys „Le Sacre du printemps“.

Ein musikalischer Höhepunkt des Abends war das Trio élégiaque Nr. 2 d-Moll op. 9 von Sergei Rachmaninow mit Gidon Kremer (Violine), Giedré Dirvanauskaité (Vioncello) und Georgijs Osokins (Klavier).

Zum Abschluss des Abends beeindruckte Aly Keita mit seinem virtuosen Spiel auf dem Balafon, der Kalimba und Gesang. Der Ausnahmemusiker aus Westafrika ist Gewinner des Deutschen Jazz Sonderpreises 2022 und hat schon mit zahlreichen Jazz-Größen, wie Joe Zawinul und Jan Garbarek gespielt.